short story

My class mate wants me again to publish a short story in german for her creative writing class.



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Das ziehende Klagen der Wehen, einfach so

Sie hatte die Interpunktion immer gehasst. Vielleicht lag das daran, dass sie sie nie verstanden hatte. Ihre rechtschreiblich korrekten Aufsaetze strotzten nur so vor Kommafehlern, die die Saetze zertrennten, als wuerde sie bei einem Stueck Schwein nicht die Schwarte vom Kopf trennen wollen. Oft setzte sie die Kommata nach ihrem Atem. Tief, durch, atmen. Gleich, geht, es, vorbei. Der Schmerz zieht, an allen Muskel, straengen, und, schwingt sich, hoch, und nieder, bis, er, mit einem Salto, zur Seite, drueckend, abspringt, und, auf dem Nerv landet.

Ihr war eigentlich nicht komisch zumute. Vor ihren Augen flimmerte es und das lag nicht an der weissknisternden Gluehbirne, die nackt in der Mitte des Zimmers hing und um die eine Muecke kreiste – oder war es eine Wespe? Sie konnte das Insekt nicht gut hoeren, denn die Waschmaschine, nebenan in der Kueche, war gerade im Schleudergang. Das Insekt blickte sie an wie ein unscharfer dunkler Punkt, der sich mit den Flimmerpunkten, die der Schmerz in ihren Augen bildete, verband.

Herbert meldete sich nicht. Wenn sie boese waere wuerde sie jetzt sagen, dass er sich mit irgendwelchen Flittchen herumtrieb. Aber das tat er warscheinlich tatsaechlich. Waehrend bei ihr jetzt die Wehen schon alle halbe Stunde kamen.

Sie hatte ihm eine SMS geschickt, da sein Handy abgeschaltet war. Wie sonst auch immer. Er wollte das Kind und freute sich darauf. Sagte er. Und dann war sein handy wieder tot.

Der Schmerz liess nach und das Insekt begann sie zu nerven. Ihr Bauch war seltsam ruhig. Sie bekam Angst. Sie schleppte sich in die Kueche um ein Glass Wasser zu trinken.

Sie koennte Katharina anrufen.

Das Glas rutschte ihr aus der Hand und zerbrach in der Spuele. Die Scherben glitzerten wie unfoermige Eiskristalle im gruenlichen Teesud. Das Telefon lag auf dem Kuechentisch und nach zehnmal Klingeln nahm jemand ab. “Ist Katharina da?”, hoerte sie sich, schwer, atmend, sagen. “Nein, Katharina is kurz zum Imbiss, drei Boehmer-Doener holen.” “Richte ihr bitte aus, dass sie dringend, mich, Barbara Immenstadt, zurueckrufen soll!” “Mach ich tschueeeues-tschuessi!” “Tschuess”, sagte sie leise – waehrend noch stiller das Ziehen wieder begann.

Sie lies die Scherben in der Spuele liegen und schleppte sich – am Kuechentisch, am Tuerrahmen, am furnierten Sideboard, festhaltend, zurueck in das Zimmer mit der nackten Gluehbirne. Dort lag ihr fertiggepackter Koffer. Und ausserdem, im fast obersten Regalfach der Einbauschrankwand, das Branchenfernsprechbuch mit der Telefonnummer des Taxiunternehmens. Typisch. Herbert hatte es da hingelegt. Eigentlich hatte er es sogar schon wegwerfen wollen – denn man fand ja alle Nummern sowieso im Internet. Den Laptop aber hatte er jetzt natuerlich bei sich. Er war naemlich Literat.

Sie schob den Stuhl, lansgsam, vor sich, ueber den Teppich gleitend, gegen das Ziehen, in der Seite, vorne, an die Schrankwand, und zog sich schnell hinauf. Schwankend hielt sie sich an der Schrankwand fest, ein summend-brummend Geraeusch vernehmend.

Das Insekt, wieder. Es war warscheinlich eine Wespenmuecke, die jetzt haarig und gleichzeitig stachelbesetzt, viel zu schnell, auf sie zu schoss. Sie wuerde sie mit der flachen Hand zermalmen. Sie merkte noch wie sie fiel. War ja klar gewesen.

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Illustration: Grete Imhalz

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